Klimaneutrale Praxis

Emissions-„Hotspots“ einer durchschnittlichen Praxis

Legend

Quelle: Tennison et al., Lancet 2021. Emissionsanteil für Dosieraerosole adaptiert nach: Pritchard et al, Drug Des Desel Ther 2020.

Verschriebene Medikamente und eingekaufte Güter verursachen zusammen über 80% der Gesamtemissionen in der Praxis. Danach folgt die Mobilität, insbesondere die Anfahrt der Patient*innen, mit etwa 10%. Der Anteil der Emissionen durch Strom und Heizung zusammen liegt dagegen nur bei knapp 7%.

Wir empfehlen, Ersparnisse mitzunehmen, die mit wenig Aufwand möglich sind – auch um eine Vorbildfunktion gegenüber den Patient*innen wahrzunehmen. Doch darüber hinaus ist es wichtig, auch die größeren „Kuchenstücke“ in den Fokus zu nehmen. Am Besten geht das gemeinsam mit Kolleg*innen. Registrieren Sie sich daher am Besten heute noch auf www.gesundheit-braucht-klimaschutz.de, oder schließen Sie sich einer Arbeitsgruppe zum Thema Klimawandel und Gesundheit in Ihrer Fachgesellschaft an.

Im Folgenden finden Sie noch einige weitere Möglichkeiten, in Ihrer Praxis einige der verbleibenden „Kuchenstücke“ zu adressieren.

Medikamente

Medikamente sind mit Abstand für den größten Teil der Treibhausgasemissionen von Arztpraxen verantwortlich.

  • Besonders bei älteren Patient*innen ist Polymedikation ein häufiges Problem. Besonders bei langen Medikamentenlisten empfehlen wir zu überprüfen, ob die Medikamentenliste noch aktuell ist.
  • Dosieraerosole enthalten Treibgase. Für eine durchschnittliche Praxis sind die Klimaauswirkungen der verschriebenen Dosieraerosole stärker als die Klimaauswirkungen von Strom und Heizung zusammen! Setzen Sie daher – so weit medizinisch mindestens gleichwertig – Pulverinhalatoren ein.
  • Meiden Sie Medikamentenproben von Pharmavertreter*innen.

Einkauf

Der Materialeinkauf macht zusammen den zweitgrößten Teil des CO2 -Fußabdrucks einer Arztpraxis aus. Für den nicht-medizinischen Praxisbedarf gibt es bereits viele Möglichkeiten, klimaschonend einzukaufen. Für klimaneutrale Medizinprodukte gibt es dagegen bisher erst wenige Angebote.

Angebotspalette vergrößern
  • Registrieren Sie sich als Modellpraxis beim unserem Partnerprojekt „Praxis ohne Plastik“, das an der Entwicklung nachhaltiger Lieferketten für Praxen arbeitet
Medizinische Gebrauchsmaterialien
  • Nutzen Sie Einwegmaterialien sparsam (Putztücher, Verbände, Sterilgut, Papierrollen für Liegen)
  • Bestellen Sie Produkte in Großkanistern (z.B. Sonographie-Gel, Seife, Putzmittel).
  • Steigen Sie von Einwegprodukten auf wiederverwendbare Produkte um (z.B. Nierenschalen)
Bürobedarf
  • Streben Sie papierlose Befundübermittlung von Labor und Arztbriefen an
  • Beziehen Sie Ihren Bürobedarf aus fairer, nachhaltiger Herstellung

Mobilität

Der Umstieg auf ÖPNV, Fahrrad und E-Bike führt neben der CO2-Reduktion auch zu positiven Effekten auf die Gesundheit. Richtig kommuniziert, können Sie so ein Vorbild für Ihre Patient*innen sein.

  • Besprechen Sie mit den Mitarbeiter*innen die Möglichkeit, über die Praxis ein steuervergünstigtes Jobticket oder Dienst-E-Bike zu beziehen. Beides kann durch die Mitarbeiter*innen auch privat genutzt werden. Dabei sind Einsparungen von bis zu 40% gegenüber eines Privatkaufes möglich.

  • Bieten Sie Ihren Patient*innen und Mitarbeitenden sichere Fahrradstellplätze an.

  • Reisen Sie zu Kongressen und Seminaren mit dem Zug.

  • Sparen Sie unnötige Patientenwege durch Verbesserung Ihrer telefonische Erreichbarkeit (z.B. für Terminvereinbarungen und Befundbesprechung). Bieten Sie ggf. eine Videosprechstunde an.

Energie

Strom
  • Wählen Sie Strom aus erneuerbaren Energien von einem Anbieter, der auch aktiv in Erneuerbare investiert. Mehr Informationen hierzu finden Sie z.B. unter www.oekostrom-anbieter.info
Heizen
  • Besprechen Sie mit Ihrer Hausgemeinschaft, ob ein Anschluss an erneuerbare Heizquellen (Biogas, Fernwärme…) machbar ist

Nachhaltiges Finanzmanagement

 Viele Banken investieren in fossile Energien wie Kohlestrom, Erdgas oder Erdöl. Die Deutsche Ärzteversorgung besitzt über 100 Milliarden Euro Rücklagen, viele ihrer Investitionen gelten allerdings als klimaschädlich.

Zum Weiterlesen 

Das Rahmenwerk „Klimagerechte Gesundheitseinrichtungen“ läd Angehörige aller Berufsgruppen im Gesundheitssektor ein, das deutsche Gesundheitssystem bis 2035 klimaneutral zu machen. Es enthält alle dafür wichtigen Handlungsfelder.